A-69
Jens Brückner, Erwin Frauenknecht, Andreas Odenthal (Hg.)

Gottesdienst auf der Klosterinsel Reichenau

Zeugnisse eines spätmittelalterlichen Liber Ordinarius
Buchcover: Gottesdienst auf der Klosterinsel Reichenau

Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg Reihe A: Quellen, Band Nr. 69

  • LXXI, 120 Seiten, mit Planskizze
  • Fester Einband
  • Fadenheftung
  • Ostfildern: Jan Thorbecke Verlag, 2026
  • ISBN: 978-3-7995-9611-4
  • Preis: 28,00 €
  • Publikation im Shop des Verlags

Für eine Geschichte des Gottesdienstes auf der Klosterinsel Reichenau stehen nur wenige liturgische Quellen aus dem frühen und hohen Mittelalter zur Verfügung. Deshalb kommt dem in der Karlsruher Badischen Landesbibliothek befindlichen spätmittelalterlichen Liber Ordinarius besondere Bedeutung zu, der von Prior Gregor Dietz in den Jahren 1548–1559 verfasst wurde. Von ihm ausgehend wird das sakraltopographische System der Markusbasilika mit seinen Altarstellen und deren Heiligentiteln rekonstruiert und in die komplexe Baugeschichte eingepasst. Spezifisches Reichenauer Erbe zeigt sich in einem Amalgam von Bautraditionen im Sinne einer Romtypologie (Westchor mit gotischem „Confessio-Altar“) und einem eigenen Reliquienprofil, für das die Markusreliquien mit ihrem Bezug zu Venedig und Alexandria oder die Januarius- und Fortunatareliquien mit ihrem Neapel-Bezug oder auch die Herrenreliquien (hl. Blut – hl. Kreuz) mit ihrem Bezug zum Heiligen Land stehen. Es lässt sich ein sakraltopographisches System aufzeigen, das die Kirchenfamilie der Klosterinsel repräsentierte und rituell verbunden hat. Dieses rituelle System konnte über die Krisen des Klosters gerettet und mit der Neuweihe der Kirche im Jahre 1477 neu aufgelegt werden. In der vorliegenden Untersuchung wird der Liber Ordinarius ediert und vorgestellt und mit den Angaben eines Processionale von 1726 gegengelesen und ergänzt.